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Typische Fragen im Vorstellungsgespräch

„Weißt Du, wie viel Sternlein stehen?“ ist sicherlich nicht die erste Frage, die man bei einem Vorstellungsgespräch erwartet – außer vielleicht im Bereich der Astronomie. Doch auch in der Personalabteilung macht man es sich leicht. Eher werden die Gesprächspartner gewechselt, doch die Fragen bleiben meistens gleich, bzw. sehr ähnlich. Deshalb kann man sich relativ leicht auf typische Fragen einstellen, um sich dann auch entsprechend vorzubereiten.

Die Bandbreite der Fragen ist groß. Zum einen geht es um die Qualifikation, Motivation, um fachliche Themen, einige Fragen zur Persönlichkeit, Stressfragen und Fragen, die im Vorstellungsgespräch nicht gestellt werden dürfen – doch immer mal wieder gestellt werden.

Vorbereitung ist alles, um eine gute Figur im Vorstellungsgespräch zu machen

Grundsätzlich sollte man sich auf jedes Vorstellungsgespräch gut vorbereiten. Das heißt, sich mit dem eigentlichen Unternehmen so zu beschäftigen, dass man auch auf die Frage: „Warum bewerben Sie sich bei uns?“ gut beantworten kann. Sicher, das ist eine sehr naheliegende Frage, doch oft wird das Naheliegende viel zu leicht übersehen. Das bedeutet dann schlimmstenfalls, dass man gleich zu Beginn ins Stocken kommt – kein guter Start.

Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräch ©iStockphoto/AntonioGuillem

Genau das ist der Vorteil einer guten Vorbereitung. Gut vorbereitet kann man sich gleich vom Start weg auch gut verkaufen. Noch ein kleiner Hinweis: Oft kommen schon beiläufig die ersten Fragen in der Aufwärmphase. Zum Beispiel, wenn der Gesprächspartner den Bewerber am Empfang abholt oder im Smalltalk, vor dem Vorstellungsgespräch. Auch auf diese Situation sollte man sich vorbereiten. Letztlich beginnt jedes Vorstellunggespräch mit dem Betreten der Firmenräume und endet, wenn man außer Sichtweite ist.

Betrachten wir jetzt zuerst die üblichen Fragen, die gerne in Vorstellungsgesprächen gestellt werden.

Fragen zur allgemeinen und fachlichen Qualifikation

Klar, ein wichtiger Bestandteil des Vorstellungsgesprächs ist die Abstimmung der fachlichen Qualifikation. Natürlich hat der Personaler hier alle Informationen schon aus Bewerbung und Lebenslauf. Doch im persönlichen Gespräch bekommt er weitere Informationen, vor allem im Kontext mit der allgemeinen Körpersprache. Typischerweise werden hier folgende Fragen gestellt:

• Was macht Sie zum perfekten Kandidaten für die ausgeschriebene Stelle?
• Welche Kenntnisse und Fachkenntnisse bringen Sie mit?
• Mit welchen Werkzeugen, Programmen oder Verfahren sind Sie vertraut?
• Gibt es weitere Kenntnisse und Erfahrungen, die Sie zum Beispiel in Praktika oder im Studium erworben haben?
• Was tun Sie, um selbst fachlich auf dem Laufenden zu bleiben?
• Was wissen Sie über unser Unternehmen und unsere Arbeitsweise?

Fragen zur allgemeinen Motivation

Die fachliche Qualifikation ist wichtig – keine Frage. Doch jeder Personaler will natürlich mehr über den Bewerber erfahren. Außerdem will der Personaler im Vorstellungsgespräch auch eine Vorstellung davon bekommen, ob alles passt. Natürlich ist es ihm dabei auch wichtig zu erfahren, ob der Job ein Wunschjob ist, oder vielmehr eine Verlegenheitslösung.

Die Fragen zur allgemeinen Motivation könnten in etwa so aussehen:

• Wieso haben Sie sich für die ausgeschriebene Stelle beworben?
• Was begeistert Sie an dem Thema bzw. der Aufgabe?
• Was erwarten Sie sich von der ausgeschriebenen Stelle bzw. von unserem Unternehmen?
• Weshalb haben Sie Ihren bisherigen Job aufgegeben?
• Gab es etwas, was Ihnen in Ihrem bisherigen Job nicht gefallen hat?
• Welche Verbindung gibt es zwischen Ihnen und unserem Unternehmen, unseren Produkten oder auch unserer Branche?
• Wie sieht es mit Ihrem Wohnsitz aus, wären Sie gegebenenfalls bereit, für den Job einen Umzug in Kauf zu nehmen?

Das sind sehr typische Fragen. Achten Sie darauf, dass Sie auf Fragen bezüglich eines zurückliegenden Jobs oder eines vorherigen Arbeitsgebers, nicht schlecht reden oder über diesen „herziehen“. Bleiben Sie lieber immer auf der Sachebene und wertneutral.

Fragen zum Arbeitsstil und noch weitere Fragen zur Qualifikation

Wenn fachlich soweit alles passt und auch die persönliche Motivation stimmt, dann geht es meist direkt weiter mit Fragen zum persönlichen Arbeitsstil und weiteren Fragen zur persönlichen Qualifikation.

So könnten die Fragen im Einzelnen aussehen:

• Wie gehen Sie normalerweise an eine neue Aufgabe heran?
• Wie organisieren Sie sich selbst und Ihre Arbeit?
• Wie gehen Sie mit Fehlern und Fehlschlägen um?
• Was haben Sie aus Ihrem größten Fehler gelernt?
• Welche Arbeitsweise lieben Sie?
• Wie würden Sie sich am liebsten ins Team mit einbringen?
• Welche Qualifikationen sind Ihrer Meinung nach für die ausgeschriebene Stelle besonders wichtig oder wertvoll?
• Was sind Ihre Stärken, und welche Schwächen bringen Sie mit?

Fragen zur Persönlichkeit

In jedem Unternehmen arbeiten Menschen miteinander. An der Kundenfront hat man es mit Menschen zu tun und überhaupt, an allen Schnittstellen im Unternehmen geht es um Menschen. Die einen können miteinander, andere nicht. Wichtig für einen Personaler ist also nicht nur die fachliche und persönliche Qualifikation, sondern er muss auch ein Gefühl dafür bekommen, ob der Kandidat zum Unternehmen passt.

In diesem Fall sollte man sich auf folgende Fragen gut vorbereiten:

• Woher kommen Sie bzw. wo sind Sie aufgewachsen?
• Was haben Sie vor und wo sehen sich selbst in 3, 5 oder 10 Jahren?
• Welchem Hobbie gehen Sie nach und wofür begeistern Sie sich noch in Ihrer Freizeit?
• Welche zentralen Regeln, Werte und Prinzipien gelten für Sie?
• Wie diplomatisch sind Sie in Konfliktsituationen?
• Haben Sie schon mal eine Persönlichkeitsanalyse gemacht und wenn ja, was ist dabei herausgekommen?
• Was ist für Sie wichtiger: Die Fokussierung auf ein Problem, oder auf mögliche Lösungen?
• Beginnen Sie mit einer Aufgaben erst, wenn sie darüber alles wissen und alles perfekt geplant ist, oder ist es für Sie okay, früher zu starten, um auf dem Weg perfekt zu werden?
• Wie sieht es mit Ihrer persönlichen Resilienz aus?
• Wie bringen Sie sich in einem Team ein und können Sie sich auch durchsetzen?
• Wie belastbar sind Sie in Ausnahmesituationen?
• Arbeiten Sie lieber im Team oder alleine?
• Wofür stehen Sie, bzw. was kommt anderen Menschen zuerst in den Sinn, wenn Ihr Name fällt?

Fragen, die Stress auslösen sollen

Bis zu diesem Punkt sind alle Fragen sehr üblich und oft auch aus dem Kontext heraus einfach zu beantworten. Doch es sind gerade die unerwarteten Fragen, die Stress auslösen, bzw. den Kandidaten für die ausgeschriebene Stelle gezielt unter Stress setzen. Ziel solcher Fragen ist es, herauszufinden, wie in solchen Situationen reagiert wird, bzw. ob er der Bewerber hier ins „Schwimmen“ kommt, fahrig wird oder ausweichend reagiert.

Solche Fragen sehen dann zum Beispiel so aus:

• Warum bewerben Sie sich erst jetzt bei uns?
• Wieso haben Sie so lange studiert?
• Gibt es einen besonderen Grund, warum Sie bei XYZ ein Praktikum absolviert haben, ohne dass Sie übernommen wurden?
• Weshalb wechseln Sie nach x Monaten den Job oder Arbeitgeber?
• Wie schätzen Sie Ihre bisherige Leistung ein?
• Wie bewerten Sie sich selbst im Bewerbungsprozess?
• Warum haben Sie sich bei uns beworben, eigentlich sind Sie für die ausgeschriebene Stelle bei weitem über-/unterqualifiziert?
• Was zieht Sie runter oder löst in Ihnen Ärger aus?
• Was wollen Sie verdienen?

Es ist offensichtlich – die meisten dieser Fragen laufen darauf hinaus, dass sich der Bewerber auf die eine oder andere Art und Weise rechtfertigen soll. Gerade auf solche Fragen sollte man sich sehr gut vorbereiten, um souverän zu antworten und gelassen zu sein.

Die etwas anderen Fragen

Alle bisherigen Fragen sind ja durchaus typisch – selbst die Stressfragen. Doch es gibt Unternehmen, die nach Mitarbeitern suchen, die jenseits des Tellerrands denken. Da kann es dann vorkommen, dass hier ganz andere Fragen in einem Vorstellungsgespräch vorgebracht werden. Diese Fragen könnten dann wie folgt aussehen:

• Sie kennen unsere Produkte/Angebote/Leistungen – wie würden Sie diese einem 8-jährigen erklären?
• Wenn Sie mit einer Entscheidung des Managements nicht einverstanden sind, was tun Sie dann?
• Was ist für Sie wichtiger: Ein Kundenproblem zu lösen, oder mehr Umsatz und Gewinn zu erwirtschaften?
• Welches interessante oder spannende Problem haben Sie in Ihrer bisherigen Karriere erlebt, und wie haben Sie dieses gelöst?
• Wenn wir Sie einstellen, woran würden Sie gerne arbeiten?
• Worauf sind Sie in Ihrem bisherigen Leben besonders stolz?
• Welches war Ihr bester und welches Ihr schlimmster Tag in den letzten 3 Jahren?
• Warum sind Bälle rund?

All diese Fragen sollen dem Personaler dabei helfen, um zu erfahren, wie der Bewerber denkt, mit bestimmten Situationen umgeht oder auch an Problemstellungen herangeht. Praktisch jeder Recruiter hat hier seine ganz speziellen Fragen.

Daneben gibt es auch noch einige Fangfragen, auf die man eine gute Antwort parat haben sollte. Solche Fangfragen sind zum Beispiel:

• Was ist Ihnen wichtiger, Familie oder Kinder?
• Was würden Sie tun, wenn Geld keine Rolle spielt, alles für Sie möglich wäre und wenn Sie gar nicht arbeiten müssten?
• Welche No-Gos gibt es für Sie im Umgang mit Kollegen?
• Wie gehen Sie mit Kritik um?

Die schwarzen Fragen im Vorstellungsgespräch

Es gibt einige Fragen, die nichts in einem Vorstellungsgespräch zu suchen haben. Mehr noch, diese Fragen dürfen laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nicht gestellt werden – doch manche Recruiter stellen diese Fragen dennoch. Zu diesen Fragen gehören zum Beispiel:

• Welcher Religion gehören Sie an?
• Was ist Ihre politische Meinung oder welcher Partei gehören Sie an?
• Sind Sie schwanger oder planen Sie, in naher Zukunft schwanger zu werden?
• Sind Sie häufig krank?
• Wie gehen Sie mit Ihrem Geld um?
• Sind Sie verschuldet?
• Wie sieht es mit Ihrem Privatleben aus?

Auf solche Fragen muss man nicht ehrlich antworten. Einzige Ausnahme hierbei ist, wenn die Gesundheit einen direkten Bezug zur ausgeschriebenen Stelle hat, bzw. die Schwangerschaft deutlich sichtbar ist.

Selber Fragen stellen

Alle bisherigen Fragen gehen vom Personaler aus in Richtung Bewerber. Doch jeder Bewerber sollte auch für sich selbst einige Fragen parat haben, die er dem Personaler stellen kann:

• Welche Perspektive gibt es für die Menschen im Unternehmen?
• Wie sieht das kreative Treibhausklima im Unternehmen aus?
• Welche sozialen Projekte gibt es im Unternehmen, bzw. in welche Projekte engagiert sich das Unternehmen?
• Wie sieht es mit dem ökologischen Fußabdruck des Unternehmens aus?
• Welche zentralen Regeln, Werte und Prinzipien gibt es im Unternehmen?
• Wie wichtig ist der Kunde im Gesamtbild des Unternehmens?

Und so weiter, und so fort.

Fazit

Sehen Sie einfach jedes Vorstellungsgespräch als eine Gesamtinszenierung. Diese beginnt mit dem ersten Kontakt und endet mit dem Verlassen der Geschäftsräume. Bereiten Sie sich vor, finden Sie gute und passende Antworten auf alle mögliche – und unmöglichen – Fragen, bleiben Sie ruhig, souverän und machen Sie eine gute Figur.

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